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General-Anzeiger vom 22.11.06

Von Hardy Gertz

Das Akkordeon-Orchester Oschersleben ist am kommenden Sonntag im Kino felix zu erleben
Weltmeister im Kino

Oschersleben - „Einer der erfolgreichsten und meistausgezeichneten Exportartikel der Börde", so hat Oscherslebens Bürgermeister Dieter Klenke sie tituliert und als „unsere Weltmeister" wurden sie in den MDR-Regionalnachrichten bezeichnet. Sie selbst sehen sich als „ein Haufen junger und junggebliebener Leute", die Spaß daran haben, Musik auf ihrem Instrument „so gut, wie es eben geht" zu machen. Der Name des Ensembles: Akkordeonorchester Oschersleben. Ihr Instrument ist das Akkordeon und „so gut, wie es eben geht" bedeutet in ihrem Fall das Premium-Prädikat im internationalen Vergleich.

Die Chance, dieses Orchester zu erleben, erhalten Musikinteressierte am kommenden Sonntag, 26. November, im Oschersleber Kino felix. Beginn ist um 17 Uhr. Karten sind im Vorverkauf im Kino felix und in der Touristeninformation Oschersleben sowie an der Abendkasse erhältlich.

Als Akkordeonlehrer Klaus Hoppe vor gut 35 Jahren die „Akkordeonspielgruppe" ins Leben rief, ahnte er wohl nicht, was in den nächsten Jahrzehnten passieren würde. Der einfühlsame Pädagoge schaffte es, mehrere Orchestergenerationen zum national angesehenen Ensemble zu machen. Dieser Anspruch wurde von seiner Nachfolgerin Kerstin Radke übernommen, die als musikalische Leiterin heute dem 15-köpfigen Orchester der fünften Generation voransteht.

Die Spieler des Akkordeons sind zwischen 18 und 45 Jahren, und fast alle sind sie einmal Schüler von Klaus Hoppe gewesen. Und auch wenn es einige nach dem Studium in andere Bundesländer verschlagen hat, zur gemeinsamen Probe und zu Konzerten finden sie sich in der Heimatstadt ein. Wahrscheinlich ist es auch diese Verbundenheit mit dem Orchester und mit den anderen Spielern, die das Ensemble trotz räumlicher Entfernung, Abitur- und Arbeitsstress zusammen- und das Niveau des Orchesters aufrechterhält. Mit ,nur" zehn Auftritten pro Jahr machen sich die Spieler in dieser Besetzung damit etwas rar.

Pflicht ist jedoch ein obligatorisches Konzert im Jahr in der Heimatstadt, welches bisher meist in den „etablierten Konzerträurnen" von  Oschersleben, also in der Nicolaikirche, im Hotel Motorsportarena oder im evangelischen Vereinshaus stattfanden.

Das diesjährige Programm findet seine Premiere in einer für Konzerte eher ungewöhnlicheren Location: im Kino „felix". Und auch musikalisch will das Orchester „großes Kino" bieten: Klassikadaptionen von Mussorgski und Vivaldi, Musical von Webber, von israelisch inspirierten Tänzen bis zu argentinischem Tango des Kompositionsgenies Astor Piazzolla. Gerade bei den „Piazzollas" spürt man die Spielfreude des Orchesters.

Das südamerikanische Temperament gepaart mit feinsten Nuancen und Akzenten in Melodie und Begleitung stellen echte Ansprüche an die Musiker, und diese wollen beweisen, dass sie diesem Anspruch gerecht werden können. Auch eine „Wiederaufführung" steht im Programmheft des diesjährigen Konzerts: Jacob de Haan komponierte das Stück „La Storia" Mitte der neunziger Jahre für Akkordeonorchester. „Es ist unser Stück" war die Meinung der Spieler und konnten mit dieser Meinung und eben diesem Werk auch die Jury beim World Music Festival überzeugen. Der „Siegertitel der Weltmeisterschaft" hat aber auch eine andere Bedeutung. Der Komponist selbst sagte über das 10-Minuten-Stück, „es sei eine Filmmusik, zu der der Film noch nicht gedreht wurde..." Dem Konzertbesucher sei es also überlassen, diesen Film beim Hören gedanklich selbst zu gestalten. Diese Idee des „ungedrehten Films" soll auch ein bisschen Konzept für das gesamte Konzert sein, wobei das Kino felix wahrscheinlich der idealste Ort ist, diesen gedanklichen Film für sich selbst zu kreieren.

Und noch etwas besonderes wird dieses Konzert mit sich bringen. Während Konzerte in den vergangenen Jahren meist mit einem eingeladenen Orchester oder dem eigenen Nachwuchs gestaltet wurden, rekrutiert sich das Gastensemble in Form des Duos „Contrastes" fast „aus den eigenen Reihen". Kerstin Radke (Bajan) und Katrin Lehmann (Gitarre) sind beides Instrumentalpädagogen der Musikschule des Bördekreises. Die Musikerinnen stellen ihr aktuelles Duoprogramm klassischen Werken vor.

 

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