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Volksstimme vom
26.06.04
Von René Döring
Akkordeonorchester
Oschersleben
Sie kamen als Sieger vom World-Music-Festival
Oschersleben - Dass
Akkordeonspieler aus dem Bördekreis bei Musik-Wettbewerben gut
abschneiden, sie gar gewinnen, das ist so neu nicht: Jugend musiziert,
Jütting-Wettbewerb in Stendal, Akkordeon-Musik-Preis in Baden-Baden - wo
um Prädikate und Punkte Akkordeon gespielt wird, da stehen zumeist auch
Musiker aus Oschersleben und Umgebung auf dem Siegertreppchen.
Jubelstürme und Freudentränen
Wenn sie allerdings wie jüngst von solch einem musikalischen
Großereignis wie dem World-Music-Festival aus Innsbruck als Gewinner
heimkehren, dann ist das selbst für die Akkordeonspieler des
Bördekreises "wie im Traum", so Kerstin Radke.
Doch weiß die Dirigentin ja am besten, dass dieser Sieg kein Traum,
sondern Realität ist. Gegen 66 Ensembles aus 13 Ländern hat sich ihr
15-köpfiges Akkordeonorchester Oschersleben in Österreich durchgesetzt
und damit in der Kategorie gewonnen, in der die mit Abstand meisten
Bewerber angetreten waren.
Insgesamt hatten sich 300 Ensembles mit mehr als 10000 Akkordeon-,
Mundharmonika- und Harmonikaspielern zum musikalischen Wettspiel in
Innsbruck getroffen, wo diese Instrumentalisten seit 1980 alle drei
Jahre zusammenkommen. Überwiegend aus europäischen Ländern, aber auch
aus China, Japan und Australien waren sie in diesem Jahr angereist.
Mittendrin die 18- bis 40-jährigen Musiker aus dem Bördekreis, die sich
mehr als ein Jahr auf diese Teilnahme vorbereitet hatten. Immer wieder
haben sie den "Medi-Tango" von Astor Piazzolla, "Toccatta" von Hans Boll
und "La Storia" von Jacob de Haan geprobt, je näher der Termin kam,
desto öfter. Am Ende kamen die Schüler, Studenten und Lehrer jedes
Wochenende und jeden Feiertag aus Oschersleben, Harbke, Seehausen,
Gröningen, Schermcke, Wulferstedt und Emmeringen zusammen.
Was sich am Ende wahrlich gelohnt hat, wie sich am letzten Festival-Tag
im Innsbrucker Bergisel-Stadion unterhalb der Olympiaschanze
herausstellen sollte, wo die Bördekreismusiker während einer großen
Abschlussveranstaltung zum Sieger erklärt, geehrt und gefeiert wurden.
Gefeiert wurden sie auch schon einen Tag zuvor im Innsbrucker
Kongresszentrum und das von etwa 500 Zuhörern. Nach dem
15-Minuten-Auftritt hat es Augenzeugen zufolge Jubelstürme und viele
Freudentränen gegeben, selbst die österreichische Moderatorin Michaela
Gaetge war vom Spiel der Oschersleber zu Tränen gerührt. Auf den Boden
zurückgeholt wurden die Bördekreismusiker von der Jury. Zwar hat die
unter anderem ein "ausdrucksstarkes, rundes, sauberes und präzises"
Spiel bescheinigt, jedoch die Besetzung beanstandet. Zur
Standardbesetzung eines Akkordeonorchesters gehören nach Ansicht solch
strenger Juroren nun mal vier und nicht drei Akkordeonstimmen und gehört
ein Elektronium und kein E-Piano. Dass dafür das Geld nicht da ist, muss
der Jury jedoch als Begründung gereicht haben, so dass sie trotz dieses
Stilbruchs am Tag darauf den Oscherslebern den Siegerkranz umgehängt
hat.
Zu dem ihnen gleich nach Bekanntwerden des Erfolgs in ihrer Heimat viele
gratuliert haben. Einer der ersten war Klaus Hoppe, der als Vater des
Erfolgs gilt. Der ehemalige Musikschulleiter hat nicht nur die
Akkordeonausbildung zu einem Aushängeschild der Oschersleber Musikschule
gemacht. Er war auch vor 37 Jahren Gründer des Akkordeonorchesters, das
seither mit vielen öffentlichen Auftritten dafür gesorgt hat, dass die
Bördekreis-Bewohner Akkordeonmusik nicht nur aus Seemannsfilmen, dem
Musikantenstadl und der Fußgängerzone, sondern auch aus dem Konzertsaal
kennen.
Ende der 90er Jahre hat Klaus Hoppe der Harbkerin Kerstin Radke den
Taktstock übergeben, die nun das als Verein organisierte Orchester in
Innsbruck zu seinem bisher größten Erfolg geführt hat.
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