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Volksstimme vom
18.06.04
Von René Döring
Akkordeonorchester aus dem
Bördekreis siegte beim Welt-Musik-Festival /
Heute Auftritt in der Nicolaikirche
Oschersleber Jubelgesänge an der Innsbrucker Olympiaschanze
Oschersleben - Auch noch
Tage nach dem großen Erfolg ist Kerstin Radke hin und weg. „So richtig
fassen kann ich das noch immer nicht", so die Leiterin des
Akkordeonorchesters Oschersleben, das am zurückliegenden Wochenende beim
Welt-Musik-Festival in Innsbruck den 1. Platz belegt hatte (wir
berichteten). Und wie Kerstin Radke, geht es auch den anderen 14
Orchestermitgliedern, beispielsweise Heidrun Pfeiffer und Mathias
Nowatzki, die noch heute Gänsehaut bekommen, wenn sie nur an Innsbruck
denken: „Das war einfach phantastisch."
Dabei sind die Musiker aus dem Bördekreis gar nicht mit so sehr großen
Erwartungen hingefahren. Jedenfalls nicht, was die Platzierung betrifft.
„Wir wollen auf keinen Fall den letzten Platz belegen", hatten sie im
Vorfeld mehrmals betont.
Womit dann doch etwas tief gestapelt worden ist, wie sich Kerstin Radke
und ihre Mitstreiter im Nachhinein eingestehen. Denn zum einen besteht
ihr Orchester aus Musikern, die schon zuvor als Solisten sehr gute
Wettbewerbsergebnisse erzielt hatten. Zum Zweiten wurde monatelang für
dieses internationale Musikereignis geprobt, jedes Wochenende, jeden
Feiertag waren sie zum Schluss zusammengekommen. Sogar noch in der
Pension im bayrischen Brannenburg, in der sie auf dem Weg nach Innsbruck
Quartier bezogen hatten, wurde noch am Abend vor dem Wettbewerb geübt.
Drittens hatten sich von den 300 Wettbewerbsteilnehmern außer das
Oschersleber Orchester noch 66 weitere Ensemble für die selbe Kategorie
angemeldet. Und dass die alle besser spielen würden, das hat dann doch
wohl auch der größte Pessimist nicht befürchtet. Wie sicherlich auch der
größte Optimist der Orchestermitglieder nicht damit gerechnet hatte,
dass sie gleich alle 66 Konkurrenten hinter sich lassen würden.
Jedenfalls nicht vor dem Auftritt.
Nach dem 15-minütigen Auftritt im großen Innsbrucker Kongresszentrum sah
das dann schon etwas anders aus. Nicht nur, dass ihnen nach dem letzten
Ton klar war, noch nie so
gut gespielt zu haben. Vor allem hatte sie der Beifall der fast 500
Zuhörer nahezu überwältigt. Doch was heißt Beifall. Den Schilderungen
zufolge muss das ein Jubelsturm, das Publikum schier aus dem Häuschen
gewesen sein. „Die Leute haben die Arme hochgerissen, gejubelt, gewaltig
geklatscht, es waren sogar Hoch-Rufe zu hören", so Kerstin Radke. Und
die österreichische Moderatorin der Veranstaltung hatte mitgejubelt, vor
Begeisterung gar geweint.
Wie auch bei vielen Orchestermitgliedern am Ende Tränen flössen. Sowohl
in Anbetracht dieses Jubels, aber auch, weil die gewaltige Anspannung
weg war, die sie vor und mitunter auch noch während des Auftritts
gespürt hatten.
Eine solche Anspannung hatte sich auch bei Ingrid und Eberhard Nowatzki
nach dem Auftritt in Jubel umgewandelt. Die Eltern eines der
Orchestermitglieder waren als Fans dieses Ensembles mit nach Innsbruck
gereist. „Als dann nach dem Auftritt eine Frau hinter uns sagte, dass
das Oschersleber Orchester für sie der Favorit für den 1. Platz sei, war
ich etwas optimistisch und stellte mir die Frage, ob sich auch die Jury
so entscheiden würde", berichtet Eberhard Nowatzki.
Wie sich die Jury schließlich entschieden hatte, erfuhren Eberhard und
Ingrid Nowatzki sowie alle anderen am nächsten Tag im Innsbrucker
Bergisel-Stadion an der Olympia-Sprungschanze, in das die mehr als 300
Orchester aus 13 Ländern dreier Kontinente, die am Wettbewerb
teilgenommen hatten, zur Abschlussveranstaltung gekommen waren.
Diese Veranstaltung wurde für die Oschersleber, die sich nach ihrem
Auftritt noch andere Orchester angehört und dann in ihrer Pension einen
„lockeren" Abend verlebt hatten, zu einer Achterbahn der Gefühle.
Zunächst legte sich die Aufregung etwas, als 34 Orchester namentlich
genannt worden waren, die die hinteren Plätze belegt hatten und somit
feststand, dass einer der ersten 33 Plätze erreicht worden war. „Wären
wir dann auf Platz 27, 24 oder 21 genannt worden, wären wir schon ganz
zufrieden gewesen", so Kerstin Radke.
Doch wurde das Oschersleber Orchester nicht genannt, auch nicht, als
Rang 17, 13 oder 10 vergeben wurde, so dass die Aufregung wieder größer
wurde und der eine oder andere gar schon einen Blick zum Siegerpodest
wagte, das für die drei Erstplatzierten aufgestellt worden war.
Riesige Freude, als der 4. Platz vergeben und damit sogar jenes Podest
erklommen war. Doch als zwei der drei Podeststufen besetzt und die
Oschersleber immer noch nicht aufgerufen waren, gab es statt Siegesjubel
zunächst Anspannung pur, denn auf einmal war die große Sorge da: „Die
werden uns doch wohl nicht vergessen haben?".
Sie waren nicht vergessen worden, denn Sekunden später erfuhren die mehr
als 10000 Wettbewerbs-Teilnehmer, dass die Jury dem Akkordeonorchester
Oschersleben die meisten Punkte gegeben und sie zum Sieger erklärt
hatte. Freude pur, Tränen, Glückwünsche Umarmungen.
„Es war wie im Traum", erinnert sich Kerstin Radke, wie sich auch
Eberhard Nowatzki an diesen „unbeschreiblichen Jubel" und die vielen
Freudentränen sehr gern erinnert und mit seiner Frau zu den ersten
Gratulanten gehörte. „Diese Musiker können wirklich stolz sein, denn sie
haben mit ihrem Erfolg den Namen unserer Heimatstadt weltweit bekannt
gemacht", so Eberhard Nowatzki.
Was der Auszeichnungsveranstaltung folgte, war eine elfstündige
Rückfahrt mit vielen Telefongesprächen in die Heimat, einer
ausgelassenen Feierlaune und viel Euphorie.
Die immer noch nicht verflogen ist. Wobei Kerstin Radke und ihre
Mitstreiter inzwischen auch schon mal wieder nach vorn schauen. In das
Jahr 2007 beispielsweise, in dem Innsbruck erneut Gastgeber eines
Welt-Musik-Festivals sein wird. Geschaut wird auch in das nächste Jahr,
wenn das Europäische Akkordeon-Festival in Prag stattfindet, zu dem die
Oschersleber in Innsbruck vom tschechischen Veranstalter eingeladen
worden sind. Sollte es das Akkordeonorchester in einem beziehungsweise
in drei Jahren noch geben, wird es wohl an beiden Wettbewerben
teilnehmen. Was allerdings erst noch von der Mitgliederversammlung
entschieden werden muss.
Entschieden wurde hingegen bereits vor längerer Zeit, dass das
Akkordeonorchester am heutigen Freitag in der Oschersleber Nicolaikirche
im Rahmen des Bodefestes gemeinsam mit dem Lehrerchor Oschersleben ein
Konzert gibt und dabei sein Innsbruck-Programm spielen wird. Vor diesem
Konzert, das um 19 Uhr beginnt, findet von 16.30 Uhr an in der Kirche
eine öffentliche Orchesterprobe statt, der sich um 17.30 Uhr der
Lehrerchor anschließen wird.
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